DER SEGEN EINER SALIGEN

(salig, selig, hell, leuchtend, weiß)

Es wird berichtet, dass einige Salige Frauen in Felshöhlen wohnten wo sie in steinernen Mulden schliefen. Von Zeit zu Zeit kam es vor, dass es einer von ihnen nicht mehr gefiel, immer auf dem harten Stein zu ruhen. Dann ging sie zu einem Bauernhaus und legte sich dort ins weiche Federbett.

Damals lebte imTale eine arme Bäuerin. Sie stand auf, bevor die Sonne aufging und rackerte und plagte sich den ganzen Tag bis spät in die Nacht hinein. Trotzdem hatte sie kaum genug zum leben.

Einmal, als sie zu Mittag müde vom Kartoffelacker heimkehrte, schlief in ihrem Bett eine Salige Frau. Die Bäuerin trat leise näher. Die Salige war wunderschön anzusehen: Ihre Zöpfe glänzten wie Gold und waren so lang, dass sie auf den Stubenboden herunterhingen.

Der Bäuerin tat es leid um das schöne Haar, sie bückte sich, hob die Zöpfe auf und legte sie vorsichtig aufs Bett. Davon erwachte die Salige. Als sie sah, was die Bäuerin tat, lächelte sie und stieg aus dem Bett. Sie zupfte sich ein goldenes Haar aus und reichte es der Bäuerin.

„Wickle das Haar um den Spinnrocken“, sagte sie, „dann wird in deinem Haus das Leinen nie mehr ausgehen. Nur darfst du niemals die Geduld verlieren. “

Als die Salige fortgegangen war, wickelte die Bäuerin das Haar um den Spinnrocken und setzte sich ans Spinnrad. Sie spann und spann und der Faden nahm kein Ende.

Das Leinen aber, das sie aus dem Saligenhaar webte, war das schönste im ganzen Land und die Bäuerin brauchte nie wieder mehr Not zu leiden.
(Quelle unbekannt)